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Film- und Vortragsreihe im Wintersemester 2026/27 Heimatfilm transnational

Deutsche Heimatfilme werden schnell mit idyllischen Panoramen von grünen Wäldern, hochalpinen Landschaften oder blühenden Heideflächen assoziiert. In dieser Film- und Vortragsreihe soll die Perspektive auf einen transnationalen Heimatfilm dazu genutzt werden, um grundsätzlich über „Heimat(en)“ nachzudenken: Was zeichnet sie aus? Ist es ein bestimmter Ort, eine Herkunft, eine Sprache, eine Erinnerung oder vielmehr ein Gefühl von Zugehörigkeit? Und was geschieht mit Heimat, wenn Menschen Grenzen überschreiten, Orte verlassen müssen oder dort, wo sie leben, keine Zugehörigkeit erfahren? Die Reihe nimmt „Heimat“ damit nicht als vermeintlich selbstverständliche, fest umrissene Größe in den Blick, sondern als etwas Bewegliches und auch Widersprüchliches: Heimat entsteht aus Beziehungen zwischen Menschen und Orten, wird erinnert und imaginiert, kann verloren gehen und neu gefunden, aber auch verweigert werden. Gerade der Film hat solche Erfahrungen immer wieder verhandelt, indem er Geschichten von Aufbruch und Ankunft, Fremdheit und Vertrautheit, Ausgrenzung und Gemeinschaft erzählt. Anhand von ihnen wird deutlich, dass Vorstellungen von Heimat nationale Grenzen ebenso überschreiten wie Generationen und historische Epochen.

Poster der Film- und Vortragsreihe Heimatfilm transnational

„Heimat transnational“ versammelt fünf Filme, die solche Spannungsfelder aus unterschiedlichen historischen und geografischen Perspektiven entfalten: Die dabei vertretenen Genres reichen vom sogenannten Neckar-bzw. Kurpfalz- Western über das neorealistische Melodrama bis hin zur Schilderung eines Mutter-Sohn-Konflikts. Sie alle verhandeln auf je eigene Weise Fragen nach familiärer, lokaler und (trans-)nationaler Zugehörigkeit und deren Transformation und Fragmentierung: Volker Schlöndorffs Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte (D/F 2026) verfolgt anhand eines Hauses und seiner wechselnden Bewohner:innen deutsche Geschichte als Geschichte von Zugehörigkeit, Vertreibung, Verlust und Erinnerung. In Roberto Rossellinis Stromboli – Terra di Dio (I 1950) wird eine aus Litauen stammende Geflüchtete auf einer süditalienischen Vulkaninsel mit einer neuen „Heimat“ konfrontiert, die ihr fremd und verschlossen bleibt. Piel Jutzis aufgrund von frühen Zensurmaßnahmen bislang nur selten gezeigter, in Heidelberg-Schlierbach gedrehter Western Feuerteufel (D 1920) erzählt von Auswanderung, Entwurzelung und familiärer Entfremdung im „Wilden Westen“. Damit wird das vertraute Neckartal zugleich im Film zur amerikanischen Fremde – und „Heimat“ so bereits 1920 filmisch wie geografisch transnational. Evi Romens Hochwald (AT/BE 2020) wiederum erzählt von einem jungen Mann aus Südtirol, dessen Suche nach sich selbst ihn aus der Enge seines Herkunftsortes heraus und dorthin wieder zurückführt, wobei die vermeintliche Eindeutigkeit von Heimat, Identität und Zugehörigkeit infrage gestellt wird. Xavier Dolans Mommy (CAN 2014) schließlich verschiebt die Perspektive ins Private: „Heimat“ erscheint hier weniger als geografischer Ort denn als fragile emotionale Konstellation aus Nähe, Fürsorge, Konflikt und dem Wunsch nach einem anderen Leben. „Heimat transnational“ fragt somit danach, was von Heimat bleibt, wenn Herkunft und Zugehörigkeit nicht mehr zusammenfallen – und ob Heimat vielleicht gerade dort neu gedacht werden kann, wo Grenzen überschritten werden.

Eine Kooperation des Instituts für Europäische Kunstgeschichte und des Romanischen Seminars der Universität Heidelberg mit dem Gloria – Filmkunsttheater Heidelberg.

Konzeption und Organisation
Henry Keazor, Alexandra Vinzenz und Daniel Winkler

Tickets
11 € regulär · 9 € ermäßigt · 8 € für Studierende (ggf. Zuschlag bei Überlänge)

Eine Veranstaltung des SFB-Teilprojekts C04 „Visuelle Chiffren von Heimat in Bildender Kunst, Literatur und Film“.

Tickets