Interessantes, Spannendes und Kurioses aus der Fotothek Unbekannter Fotograf, Schloss Bruchsal, Aufnahme ca. 1890
Rund 50 Fotografien aus dem Besitz des Heidelberger Hof-Juweliers Nikolaus Trübner (1849-1910) finden sich in der topographischen Abteilung der Fotothek. Sie sind dort unter Bruchsal und Heidelberg eingeordnet. Nikolaus Trübner entstammte einer bekannten Heidelberger Handwerker-Familie, deren Wohn- und Geschäftshaus sich in der Hauptstraße 139 befand. Nach einer Ausbildung zum Goldschmied besuchte Trübner die Großherzoglich badische Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Im Jahr 1882 trat er in den elterlichen Betrieb ein und übernahm drei Jahre später die Geschäftsleitung. Er nahm an internationalen Ausstellungen, wie der Weltausstellung in Chicago, teil und seine Arbeiten wurden mit Preisen ausgezeichnet.
Die Fotografien, allesamt Albuminabzüge, lassen sich auf um 1890 datieren und tragen rückseitig den Stempel Nikolaus Trübners. Eventuell kam dieser Bestand mit Auflösung der Firma im Jahr 1972 in die kunsthistorische Fotothek, zumindest scheint darauf der rückseitige Institutsstempel auf einigen Kartons zu verweisen. Der Bestand lässt sich in Fotografien des Schlosses Bruchsal sowie des Heidelberger Schlosses unterteilen. Sie zeigen jeweils Baudetails, vielfach Dekore der Bauten und Innenräume. Entsprechend passen sie von daher gut in den Bestand einer kunsthistorischen Studien- und Lehrsammlung und geben zudem Auskunft über das Aussehen dieser Details vor Zerstörung der Bauten, vor allem des Schlosses Bruchsal. Von Trübner ist bekannt, dass er bei den Entwürfen seiner Goldschmiedearbeiten auf Vorlagenwerke und Musterbücher zurückgriff. Vermutlich dienten ihm auch die Fotografien der Stuckdekore aus dem Schloss Bruchsal diesem Zweck. Das historistische Formenvokabular seiner Arbeiten zeigt vielfach Rückgriff auf Rokoko-Elemente, wie diese in Bruchsal Verwendung fanden. Eine der Fotografien, die eine Spiegelkartusche zeigt, verweist zudem auf das eigene, damals noch junge Medium: die Kamera samt Fotograf ist im Spiegel mit abgelichtet worden.
Liane Wilhelmus, Dezember 2018


