This page is only available in German.

Interessantes, Spannendes und Kurioses aus der Fotothek James Anderson: Roma - Foro Romano, Veduta Generale, ca. 1870

Der englische Maler Isaac Atkinson (1813-1877) gehörte zu den bekanntesten Künstlern, die in Rom einen großen Erfolg mit Stadtskizzen und Ruinengemälden machten. Bekannt wurde er jedoch als Fotograf von Ruinen und Stadtveduten unter dem Namen James Anderson. Seine Ansichten zählten zu den meistverkauften Abzügen, die Gelehrte, Künstler und Reisende in dem berühmten Buchhandel Josef Spithöfers an der Piazza di Spagna anscha& ten. Die Ausbildung zum Maler half Anderson bei der sorgfältigen Komposition seiner Motive. Er versuchte dabei, Standpunkte auszuwählen, die eine Tiefendimension im Bildraum suggerieren. Andersons klare, auf Orientierung angelegte Kompositionen waren deshalb nicht nur bei Touristen beliebt, sondern wurden auch vom britischen Antiquarian Photographic Club für zahlreiche Ausstellungen ausgewählt, darunter für die Londoner Weltausstellung 1862.
Andersons Aufnahme des Forum Romanum besitzt eine klare Symmetrie, die dem Betrachter einen tiefen Blick in die Gesamtlänge des republikanischen römischen Marktes bietet. Rechts im Vordergrund sind die Reste des Saturntempels (Ende des 5. Jh. vor Chr.) und links der Bogen des Septimius Severus (geweiht 203 n. Chr.) zu sehen. Der Fotograf hat einen erhöhten Standpunkt im Westen des Marktareals ausgewählt, wodurch eine bessere Orientierung ermöglicht wird. Obwohl zum Zeitpunkt der Aufnahme 1870 die wissenschaftliche Ausgrabung des Forums erst begonnen hatte, war ein großer Teil der römischen Denkmäler bereits verlegt worden. Denn die Rückverlegung des Heiligen Stuhls aus dem Exil von Avignon nach Rom im 15. Jahrhundert hatte als Konsequenz, dass in Rom eine eifrige Bautätigkeit unternommen wurde. Dank seines Reichtums an antiken Baumaterialien, wie kostbarem Marmorstein, wurde das Forum Romanum als riesiger Steinbruch weitgehend ausgebeutet. Reste aus den prächtigen Bauten wurden deshalb seit der Renaissance als Spolien wiederverwendet, wie beispielsweise der Basilica Iulia (rechts im Mittelgrund hinter dem Saturntempel). Dieser 54 v. Chr. geweihte Hallenbau zählte zu den wichtigsten öffentlichen Gebäuden der Kaiserzeit und fungierte als Sitz des Tribunals. Wie bei zahllosen anderen antiken Denkmäler Roms wurden ihre Architraven, Kapitelle und Friese bei der Errichtung neuer Gebäude und Kirchen genutzt und befinden sich seitdem an unterschiedlichen Orten in Rom.

Stefania Girometti, Juli 2019