Nichts wie hin: Aktuelle Ausstellungen im Blick
Hier möchten wir als Dozent:innen am IEK das Vergnügen teilen, Kunst und anderes Visuelles in Ausstellungen wahrzunehmen: als Einladung zum „sehenden Sehen“ (M. Imdahl), zum kommunikativen Austausch und zur reflektierten Auseinandersetzung. Idealerweise erfahren Sie in nur 3-5 Sätzen, ob und warum sich ein Weg in diese Ausstellung lohnt…
Die Fotos (wenn nicht anders gekennzeichnet) wurden von den Autor:innen selbst in der jeweiligen Ausstellung aufgenommen.
Leiden, Museum De Lakenhal: Masterful Mystery – On Rembrandt’s Enigmatic Contemporary (bis 8. März 2026)
In Leiden versucht man derzeit, dem Mysterium des sogenannten Meisters I. S. nachzugehen. Über I. S. ist, abgesehen von den Initialen und einigen wenigen Werken, bei denen es sich meist um Tronies handelt, kaum etwas bekannt. In der atmosphärischen Ausstellung kommt man dem Geheimnis um I. S. anhand der Werke erstmals etwas näher. Im Dialog mit Arbeiten Rembrandts, Gerrit Dous und Jan Lievens’, die als Zeitgenossen von I. S. gelten, wird ihre Wirkkraft besonders deutlich. Die Ausstellung begeistert nicht nur aufgrund der Gemälde, die Gesichter und Stofflichkeiten eindrucksvoll hyperrealistisch darstellen, sondern auch durch die Aufforderung, sich selbst mit dem Geheimnis um I. S. auseinanderzusetzen. Eine gelungene Spurensuche, die noch lange nicht abgeschlossen ist.

Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corbord: Expedition Zeichnung. Niederländische Meister unter der Lupe (bis 15. März 2026)
Wer demnächst in Köln ist, sollte unbedingt einen Besuch im Wallraf-Richartz-Museum einplanen. Über 90 Zeichnungen aus der Zeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert sind dort ausgestellt und bieten einen exzeptionellen Einblick in den Facettenreichtum des Mediums Zeichnung. Da es sich um die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojekts handelt, werden die Werke nicht nur präsentiert, sondern darüber hinaus durch aktuelle Erkenntnisse, brisante Fragen nach Original und Kopie sowie die daraus resultierenden materialtechnischen Untersuchungen angereichert, die man entweder vor Ort oder im umfangreichen Katalog nachlesen kann.

Mannheim, Kunsthalle: Constantin Luser - Form, Klang, Stille (bis 1.3.2026)
Wie künstlerische Phantasie den Begriff des disegno auch heute noch in ganz neue Formen zu bringen vermag, zeigt Constantin Luser in der Kunsthalle Mannheim: der souveräne Bleistiftstrich wird hier zur Kontrastfolie für poetische Lineamente aus Drähten und Röhren, deren Schatten und Spiegelungen das Seh-Erlebnis in den Raum erweitern. Mit der „Drahtografie“ erfindet Luser eine eigenständige, innovative Prägedrucktechnik mit ebenso hohem Anregungspotenzial für den neugierigen Blick. Es lohnt sich also wie immer, die Tür zu den Ausstellungsräumen der Grafikabteilung im Altbau der KuMa zu finden und dort einzutreten!

Bensheim, Museum Bensheim: Emil Nolde - A Private Collection (bis 1.2.2026)
Das kleine, aber feine Museum Bensheim zeigt Emil Noldes Schaffen „in a nutshell“ anhand von bisher weitgehend unbekannten Werken aus einer amerikanischen Privatsammlung: von Personenstudien über Hafen- und Landschaftseindrücke bis zu phantastischen Szenen und Blumenbildern stehen sie exemplarisch für Noldes künstlerische Interessen. Die Kommentierung schwankt allerdings zwischen sorgfältigen Hinweisen auf Noldes kontrafaktische Stilisierung zum Opfer der NS-Kunstpolitik, nur dezenten Andeutungen zur Ambivalenz der Südseereise 1913/14 und gelegentlicher Bedienung rückwärtsgewandter Topoi (wie etwa das in einem Ausstellungstext heutzutage befremdende Raunen von einer „Geistigkeit“ des Nordens). Mit Nolde ist man offenbar noch nicht fertig…

Rolandseck, Arp-Museum: Netzwerk Paris : Abstraction-Création 1931-1937 (bis 11. Januar 2026)
In dieser schönen Ausstellung lässt sich erfahren, in welch lebendiger Vielfalt Künstlerinnen und Künstler in den 1930er Jahren die Formensprache der Abstraktion weiterentwickelten: Von der Anverwandlung mondrianscher Rasterbilder durch Marlow Moss über experimentelle Gestaltungen von Max Bill oder László Mololy-Nagy bis zu Wiederentdeckungen wie den Arbeiten von Wladyslaw Strzeminski reicht das Spektrum der Präsentation, die den Inhalten der von 1931 bis 1937 in der von den Künstlern in Paris betriebenen Zeitschrift „Abstraction-Création“ folgt. Einige Arbeiten aus unserer Zeit zeigen das aktuelle Fortleben der Abstraktion an. Ein lohnender Ausflug, um die beziehungsreiche Hängung bzw. Aufstellung von Gemälden und plastischen Arbeiten in den großzügigen Räumen des Richard-Meyer-Baus zu genießen und dabei kunsthistorische Bildungslücken zu füllen!

Mannheim, Kunsthalle: Kirchner, Lehmbruck, Nolde. Geschichten des Expressionismus in Mannheim (bis 11. Januar 2026)
Die Sonderausstellungsräume in der Kunsthalle Mannheim sind streng nach Gattungen sortiert: In der Abfolge präsentieren sich zuerst Gemälde, dann Druckgrafik und schließlich ein dichter Raum an Skulptur. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Mannheimer Mikrogeschichten eines großen stilgeschichtlichen Begriffs zu erkunden. Schlaglichter werden dabei auch mit kritischem Perspektiven geworfen: koloniale Zusammenhänge, Künstlerinnen in der Männerdomäne, unangenehm junge Aktmodelle und die NS-Verstrickungen einzelner Werke und Künstler werden kurz thematisiert.

Ältere Ausstellungshinweise von unserer Website finden Sie über die nebenstehenden Links.