24.04. – 10.10.2026 | Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg Druck mir ’ne Handschrift!
Facsimilia des Instituts für Europäische Kunstgeschichte
In den beiden vergangenen Semestern haben Studierende in zwei interdisziplinären Lehrveranstaltungen der Kunstgeschichte und der Mittellateinischen Philologie, geleitet von Tino Licht und Rebecca Müller, eine Ausstellung vorbereitet. Unter dem Titel: "Druck mir ʼne Handschrift! Facsimilia des Instituts für Europäische Kunstgeschichte" präsentiert sie Facsimilia, Reproduktionen mittelalterlicher Schriftzeugnisse.
Die oft aufwendig von spezialisierten Verlagen produzierten, kostspieligen Facsimilia sind ein sehr spezielles Printmedium, das Liebhaber mittelalterlicher Buchkultur ebenso anspricht wie die wissenschaftliche Forschung. Facsimilia beeindrucken mit Goldauflagen und Prachteinbänden und überraschen manchmal als fragwürdige Rekonstruktionen. Sie können bestimmte Aspekte von Handschriften vermitteln, etwa Größe und Gewicht eines Codex, das Aufschlagen eines Buchdeckels und den Effekt des Blätterns im Zusammenspiel von Text und Bild; sogar Schäden wie der sog. Tintenfraß, der zu Löchern im Pergament führt, werden nachgeahmt. In der bis zu den frühen Kupferstichen zurückreichenden Geschichte der Faksimilierung dienten Facsimilia dem wissenschaftlichen Vergleich von Schriftbild und Texten; einige verlorene Handschriften sind über sie zumindest in Kopien überliefert. Als Reproduktionen von Artefakten stehen Facsimilia zugleich in einem Spannungsverhältnis zu den „Originalen“ und sind ein Phänomen der Wahrnehmungs- und der Rezeptionsgeschichte.
In der Ausstellung gehen die Kuratorinnen und Kuratoren den Potentialen dieses Mediums und Besonderheiten einzelner Handschriftengattungen nach. Den Anlass dazu bot die Schenkung von Facsimilia an das IEK im Jahr 2023. Die Auswahl der Exponate aus dem IEK wird durch wenige Leihgaben ergänzt: So kann die Geschichte der Faksimilierung anhand mehrerer Facsimilia des in der Heidelberger Universitätsbibliothek bewahrten Codex Manesse umrissen werden, und das Medium, das heute zunehmend diese Drucke ersetzt, nämlich das Digitalisat, ist ebenfalls in die Ausstellung integriert. Eine Auswahl von faksimilierten Einzelblättern aus der Fachbibliothek für Mittel- und Neulatein und aus Privatbesitz weisen auf eine Praxis des Faksimilierens hin, die weit über Codices hinausgeht.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog von rund 200 Seiten Umfang (Hgg. Tino Licht, Rebecca Müller, Sophie Marie Daschner), in dem Aspekte von Facsimilia und einzelne Handschriftengattungen vorgestellt werden und der aus mittellateinischer bzw. kunsthistorischer Perspektive ein Schlaglicht auf das Thema wirft.
Tino Licht, Lena Marschall und Rebecca Müller haben als Rahmenprogramm eine begleitende Vortragsreihe organisiert. Die Vorträge behandeln das Phänomen Facsimilia und das Faksimilieren bestimmter Handschriften und ermöglichen so Einblicke in die Planung, praktische Umsetzung und die wissenschaftliche Begleitung von Facsimilia-Editionen.


