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Jetzt Online-Vorträge anschauen! Die Spuren der Zisterzienser in Schönau

In einer vom historischen Verein Alt-Schönau e.V. gemeinsam mit der Stadt Schönau veranstalteten Vortragsreihe geben Kunst- und Bauhistoriker eine Einordnung in die architektonische und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung des Zisterzienserklosters Schönau. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl die klösterlichen Idealvorstellungen und deren konkrete bauliche Umsetzung als auch die experimentellen Spielräume, die zur individuellen Ausprägung der Anlage beitrugen. Darüber hinaus wird das Kloster als Teil eines europaweiten Netzwerks betrachtet, in dem sich neue rational organisierte Wirtschaftsformen entwickelten. Dabei geht es insbesondere um die Funktion und Gestaltung zisterziensischer Wirtschaftsgebäude und deren Einordnung in einen größeren Kontext mittelalterlicher Produktions- und Arbeitswelten ein.

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Orden und Experiment – Die Bauten der Zisterzienser in Schönau
Prof. Dr. Matthias Untermann, Universität Heidelberg, Institut für Europäische Kunstgeschichte

Der Vortrag beleuchtet die Baugeschichte der ehemaligen Zisterzienserabtei Schönau und geht dabei insbesondere auf das Spannungsverhältnis zwischen den klösterlichen Idealvorstellungen und den realen baulichen Entwicklungen ein.
Die Zisterzienser verfolgten im Mittelalter klare architektonische Prinzipien für den Bau ihrer Klöster. Anhand der wenigen erhaltenen und ausgegrabenen Baureste in Schönau lässt sich rekonstruieren, wie diese Vorgaben in der Praxis umgesetzt wurden. Zugleich wird deutlich, dass die Schönauer Mönche und ihre weltlichen Förderer in einem gestalterischen Diskurs standen, der über die reine Umsetzung normativer Vorgaben hinausging. Der Vortrag zeigt, dass gerade architektonische Experimente zur Individualität der Anlage beitrugen und den besonderen Charakter des Klosters prägten.

Das Kloster Schönau und die Architektur Zisterziensischer Wirtschaftsbauten
Dr. Tobias Schöneweis, Kurpfälzisches Museum Heidelberg, Leiter Archäologie/Denkmalschutz

Klöster waren im Mittelalter weit mehr als nur Orte des Gebets, sie waren auch Zentren wirtschaftlichen Handels. Vor allem den Zisterziensern eilt seit jeher der Ruf als tüchtige Agrarpioniere voraus, die unkultiviertes Ödland in blühende Landschaften verwandelten.
Ausgehend vom burgundischen Cîteaux bildete sich ein europaweit vernetzter Orden, der eine neue Form der klösterlicher Wirtschaftsorganisation schuf, in der asketische Disziplin und rationale Arbeitsorganisation eine geradezu modern anmutende Effizienz entfaltete. Dass man die Wirtschaftshöfe des Zisterzienserklosters Schönau – die sogenannten Grangien – auch als „Agro-Fabriken“ bezeichnet hat, zeugt vom bis heute ungebrochenen Mythos der Mönche als Wegbereiter des Kapitalismus.
Ausgehend vom Kloster Schönau und seinen Grangien richtet der Vortrag den Blick auf Formen und Funktionen monumentaler zisterziensischer Wirtschaftsbauten und beleuchtet zugleich den Topos ihrer Deutung als semisakrale „Kathedralen der Arbeit“.

Zisterzienser Kloster Schönau