Fotoarchiv Heidelberg, Gestern und Heute
In mehreren Projekten wurde zu Beginn der 1970er Jahre der Grundstein für den heutigen Bestand der Fotothek gelegt, der in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich ergänzt und erweitert wurde. Darunter findet sich der umfangreiche Bestand von weit über 10.000 Originalfotografien der Heidelberger Altstadt umfasst. Der Großteil dieser Fotografien basiert auf einer umfangreichen Erhebung von Einzelstudien und Bauaufnahmen, die von Prof. Dr. Peter Anselm Riedl zusammen mit Studierenden des Fachs in den frühen 1970er Jahren in Hinblick auf das Denkmalschutzjahr 1975 angefertigt wurden. Dabei stand nicht das Einzelgebäude als Solitär, sondern das Ensemble im Sinne einer gewachsenen Gesamtheit von Häusern, Straßenzügen und Plätzen im Mittelpunkt der Untersuchung.
Die überwiegend von Ingeborg Klinger angefertigten Fotografien dienen der Dokumentation der Altstadtbebauung. Außerdem erfolgte eine beschreibende und würdigende sowie die einzelnen Gebäude hinsichtlich ihres Zustands und ihrer (kunst-)historischen Bedeutung für das Stadtbild klassifizierende Analyse. Es entstand ein Verzeichnis denkmalschutzwürdiger Häuser und Quartiere, welches der Denkmalpflege und Heidelberger Stadtplanung noch bis 2004 als Arbeitsgrundlage diente. Anlass für die Erfassung der historischen Bebauung der Altstadt seit 1970 gaben die von Seiten der Stadt betriebenen Pläne zur ‚Regenerierung der Heidelberger Altstadt‘. Das enorme Tempo gerade zu Beginn der ‚Altstadtsanierung‘, mit dem Ziel, Heidelberg entsprechend den sich wandelnden Anforderungen einer alten doch modernen Universitätsstadt im Bereich der Altstadt umfassend zu erneuern und mit großzügigeren Verkehrswegen zu erschließen, führte bei einzelnen Objekten zu irreparablen Verlusten von historischer Substanz. Dennoch erhielt die Heidelberger Altstadt die Bewertung als ‚Denkmalschutzensemble‘.
Neben der Erfassung geschlossener Bauensembles, Straßen- und Platzsituationen umfasst der Fotobestand Dokumentationen einzelner Gebäude und ihrer baulichen Veränderungen der letzten dreißig Jahre in umfangreichen Einzelstudien. Einschneidende Eingriffe in die Bausubstanz der Altstadt wie der Abriss des ehemaligen Hotels „Prinz Carl“ am Kornmarkt oder des ehemaligen Hotels „Darmstädter Hof“ am Bismarckplatz sind ebenso dokumentiert wie die Neubebauung dieser Areale und eine Vielzahl kleiner Veränderungen an Straßenzügen und Plätzen, die gleichsam zum Wandel des Stadtbildes beitrugen. Anhand dieses Archivs lässt sich diese bauliche Entwicklung der Stadt nachvollziehen.
Das Beispiel des Darmstädter Hofs
Mit dem Zusammenschluss des Instituts für Europäische Kunstgeschichte (ehemals Kunsthistorisches Institut), des Historischen Seminars, des Instituts für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde, des Instituts für Religionswissenschaft, des Musikwissenschaftlichen Seminars sowie des Seminars für Osteuropäische Geschichte zum Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaft (ZEGK) haben sich die beteiligten Einrichtungen der Aufgabe gestellt, die bereits bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Instituten in gemeinsamen Projekten weiter zu intensivieren.
Das Institut für Europäische Kunstgeschichte hat diesen Zusammenschluss zum Anlass genommen, den einzigartigen Bestand historischer Fotoaufnahmen als Dokumente Heidelberger Stadtgeschichte für die Zukunft zu sichern und für weitere Forschungen interdisziplinärer Art besser zugänglich zu machen.
In einem ersten, zeitlich begrenzten Teilprojekt, wurde der Bestand der „Fotothek“ gesichtet und exemplarisch digitalisiert. Ziel war hierbei auch, eine geeignete Form der digitalen Aufarbeitung der Altstadtfotos sowie der anderen, umfassenden Bestände an historischen Fotografien und Bildmaterialien des Instituts auszuarbeiten.
Das Beispiel des Darmstädter Hofs, das für die vorliegende Seite ausgewählt wurde, soll einen Einblick in das Fotoarchiv zur Heidelberger Altstadt und seinem dokumentarischen Wert gewähren und als Anregung für weitere Forschungen verstanden werden.